Aussichten in den USA besser als im Euroraum
Schwellenländer stark genug, um Druck standzuhalten
Positive Daten aus den USA, insbesondere zum Arbeitsmarkt und den ISM-Indizes, scheinen auf ein anhaltendes, wenn auch bescheidenes Wirtschaftswachstum hinzudeuten. Der Euroraum hinkt hinterher, auch bei Unternehmensgewinnen. Die Frühindikatoren in den Schwellenländern stabilisierten sich, aber die Exporte tendierten in mehreren Ländern nach unten. Aktien legten zu. Der US-amerikanische S&P500 erreichte sogar beinahe seinen Höchststand seit der Rezession. Der Eurostoxx 50 liegt jedoch immer noch mehr als 20 %, die Schwellenländer 13 % unter diesem Spitzenwert.
Im Januar schafften US-amerikanische Unternehmen 243.000 Arbeitsplätze. Das war der größte Anstieg seit April 2011. Die Household Survey ergab einen überdimensionalen Zuwachs von 847.000 Arbeitsplätzen und einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote. Die Verbesserungen waren in ganz unterschiedlichen Bereichen zu beobachten: Die Einstellungsabsichten im Dienstleistungssektor erreichten ihren höchsten Stand seit Februar 2006. Der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe stieg um ganze 3,8 auf 56,8 Punkte. Obwohl das ein Zeichen für robustes Wachstum ist, liegt er damit noch immer unter den Werten von Ende 2010/Anfang 2011.
Für uns gibt es deshalb keinen Grund, die Konjunkturaussichten der USA ausschließlich optimistisch zu bewerten. Erstens kam dem Arbeitsmarkt das milde Winterwetter entgegen. Zweitens wurden die Haushaltsdaten durch Korrekturen verzerrt. Drittens war das Beschäftigungswachstum stärker als das BIP-Wachstum seit mehreren Quartalen vermuten ließ. Und schließlich wurde das BIP-Wachstum in letzter Zeit durch Privatkonsum und steigende Lagerbestände gefördert. Der steigende Konsum ging mit einem Rückgang der Sparquote und der Zunahme von Verbraucherkrediten einher. Wir bezweifeln, dass es sich dabei um bewusste Entscheidungen handelte; sie könnten vielmehr ein Zeichen dafür sein, dass das verfügbare Einkommen der Verbraucher stagniert.
Die Frühindikatoren haben sich zwar verbessert, aber harte Fakten unterstrichen die nach wie vor schlechte Lage im Euroraum. Die Arbeitslosenquote für die gesamte Region stieg auf 10,4 % und erreichte damit ihren Höchststand seit Ende der 1990er Jahre. Portugal, Spanien und Griechenland verzeichnen sogar eine zweistellige Quoten; die Jugendarbeitslosigkeit im Euroraum liegt bei 21,3 % und wird damit zu einem schwerwiegenden Problem.
Unseres Erachtens sind die Aussichten für den Euroraum nicht rosig. Nach Ergebnissen einer von der EZB durchgeführten Umfrage verschärften Banken ihre Kreditvergaberichtlinien deutlich und vermeldeten eine sinkende Nachfrage nach Darlehen. In Italien und Spanien stehen die Auswirkungen der Spar- und Reformpakete noch bevor. Die Verschärfung der Fiskalpolitik in Frankreich dürfte sich etwas beschleunigen. Wenn die führenden Politiker des Euroraums keine konkreten Pläne zur Förderung des Wachstums vorlegen, wird die Sparpolitik die Oberhand gewinnen, wodurch die Wachstumsaussichten in einigen Ländern überschattet werden.
Die Lockerung der Geldpolitik, ein deutlich geringerer Sparbedarf und eine überwiegend steigende Binnennachfrage müssten jedoch in den Schwellenländern ein gewisses Gegengewicht schaffen. Insgesamt stiegen die PMI-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und lagen in den meisten größeren Schwellenländern bei über 50 Punkten. In zyklischen Volkswirtschaften wie Südkorea und Taiwan verbesserten sich die Indizes, blieben aber unter 50 Zählern. PMI-Indizes für den Dienstleistungssektor erreichten in Brasilien, Indien und Russland beeindruckende Werte.
In enger mit dem Euroraum verknüpften Volkswirtschaften, wie der Tschechischen Republik, Russland und der Türkei, waren die Indizes für das verarbeitende Gewerbe rückläufig. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Euroraum könnte die Schwellenländer in Mitleidenschaft ziehen: zum einen durch einen Rückgang der Ausfuhren und zum anderen, falls die Banken beschließen, ihre Entschuldungsbemühungen auf diese Länder zu konzentrieren. Das Wachstum der Schwellenländer-Exporte verlangsamte sich insgesamt, obwohl es auch Ausnahmen gab. Insbesondere in Südkorea, Taiwan und Brasilien ging das Exportwachstum jedoch deutlich zurück.
Unser Modell-Portfolio ließen wir unverändert. Wir sind neutral gegenüber Aktien und haben Aktien aus Schwellenländern gegenüber solchen aus Industriestaaten übergewichtet. Bei Anleihen sind wir insgesamt neutral gewichtet, wobei wir Investment-Grade- sowie hochverzinsliche Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen in harter Währung übergewichten. Bei auf Lokalwährung lautenden Schwellenländeranleihen sind wir neutral, bei inflationsindexierten Anleihen hingegen untergewichtet. Unsere Positionen in Staatsanleihen haben eine lange Duration und dienen der Absicherung unseres zunehmenden Engagements in risikoreichen Anlagen. Bei Immobilien, Wandelanleihen und Rohstoffen sind wir neutral gewichtet.



